Kraniche über Europa – ein Ausflug-

Editorial:

Die Kranichfliegerei kennt nicht nur die bewunderns- und lobenswerten 1000km im Kreis, resp Dreieck, sondern auch petrochemisch unterstützte Reisen in andere Horizonte, Gegenden, Kulturen und Landschaften, Navigation, Kommunikation und Interaktion. . Lest den kurzweiligen Report unseres Vorsitzenden wie Machbares zu machen:

Arnd schreibt:

Seit geraumer Zeit hatten Walter und ich uns eine Reise über die Grenzen unseres Landes vorgenommen, aber mal war das Wetter nicht lange genug stabil, dann wieder stand keine freie Zeit zur Verfügung.

Dann deutete sich vor zwei Wochen eine Schönwetterlage über Deutschland, Österreich, Slowenien und Italien an. Dazu kam noch eine Einladung nach Wels bei Linz, sodass wir uns entschlossen, einen Flug von Neuruppin über Wels nach Wien, weiter nach Venedig und zurück nach Neuruppin zu planen und durchzuführen. Am Samstag, den 22.08., legten wir die Flugroute fest und erstellten einen Flugplan, den wir an FIS übermittelten.

Aufbruch im Morgengrauen.

Sonntag, 23.08.2026

Am nächsten Morgen um 06:20 Uhr hoben wir in Neuruppin von der Piste 10 in Richtung Österreich ab. Wegen der frühen Uhrzeit konnte ich die Startmeldung nur telefonisch durchgeben. Südlich von Berlin stiegen wir langsam auf Flugfläche 65 und hatten bei der langsam höher steigenden Sonne beste Sicht auf das Gelände unter uns. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir an der Grenze zu Tschechien und meldeten uns bei Prag Information an. Der weitere Flug bis zur Grenze zu Österreich war ruhig, und nach einer knappen Stunde konnten wir uns bei Wien Information melden. Nach der Grenze waren es dann nur noch 40 Meilen bis zum Flugplatz Wels. Der dortige Flugplatz ist großzügig mit einer Betonpiste ausgestattet, sodass Landung und Abstellen keine Probleme bereiteten. Die Flugzeit betrug 2 Stunden 51 Minuten bei einer Geschwindigkeit von 105 Knoten.

Nach einer Pause starteten wir um 12:50 Uhr von der Piste 26 in Richtung Wiener Neustadt. Nach einer guten Stunde landeten wir um 14:05 Uhr in Wien auf dem Diamond-Flugplatz, Piste 09,

Dort gibt es schöne und noch produzierte Konkurrenzprodukte

stellten die KULY vor dem Tower ab und fuhren mit der Bahn in die Stadt hinein. Nach einem Stadtbummel vorbei an der Oper, der Hofburg und dem Parlament suchten wir uns ein Lokal für das Abendessen. Vor dem Schlafengehen noch schnell den Flugplan nach Venedig erstellen – und dann vom nächsten Tag träumen.

Der Stephansdom zum Abend mit „am Heirigen“?

Montag, 24.08.2026

07:00 Uhr: aufstehen, frühstücken und mit der Bahn zum Flugplatz. Nur am Rande: Die Bahnen waren extrem pünktlich und sehr sauber – wie die gesamte Stadt. Am Flugplatz angekommen, wurde noch getankt und die Gebühren bezahlt, und schon konnten wir um 10:35 Uhr von der Piste 09 in Richtung Venedig starten. Beim Abflug darf man dort maximal auf 1500 Fuß über Grund steigen, was wegen des hügeligen Geländes ungewohnt ist und Konzentration erfordert. Das danach schnell ansteigende Gelände erfordert zügiges Steigen. Nach den ersten Bergen entschieden wir uns wieder für die Flugfläche 64 und blieben in dieser Höhe bis kurz vor Trient.

Der Grenzübertritt nach Slowenien war unspektakulär: Wien meldete sich ab, und Maribor übernahm. In Slowenien sind VFR-Routen veröffentlicht, denen wir – wie im Flugplan ausgewiesen – folgen konnten. Daher war die Strecke bis zum Mittelmeer nicht allzu anspruchsvoll. Die Kommunikation stellte allerdings wegen der fast unaussprechlichen Ortsnamen für uns eine Herausforderung dar, die wir aber meisterten. Am Ende der VFR-Routen liegt dann die Grenze zu Italien bei Triest. Dort darf bis Venedig maximal auf 1500 Fuß über dem Meer geflogen werden. Das sind dann etwa 65 Meilen in etwas über einer halben Stunde. Die Route folgt der Küstenlinie und endet mit einem Vorbeiflug am Lido im Süden sowie einer rechten Platzrunde auf Bahn 05 – nach 2 Stunden 32 Minuten, um 13:07 Uhr. Dann folgten Abstellen, Abdecken und Baden gehen – bei 32 Grad Lufttemperatur und 29 Grad Wassertemperatur ein Genuss!

Stolze Ankömmlinge mit Bordbucheintrag LIPV

Den Rest des Tages verbrachten wir in Venedig mit Sightseeing und Schlemmen.

Hinten Kultur, vorne Teutonengrill
Wer hier wohl eine exklusivere Anreise zum Baden hat?
Der Vereinsdoge…
…und sein Pilot.

Für den nächsten Tag hatten wir uns den Weiterflug nach Frankreich vorgenommen, aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt: In der Nacht entluden sich heftige Gewitter an der Mittelmeerküste von Italien bis Spanien. Also noch einen Tag in Venedig verbringen und eine andere Route nach Hause finden. Den ganzen Dienstag verbrachten wir damit, die Alpenquerung mit ihren Risiken zu besprechen. Beim Abendessen in einem sehr guten, vorwiegend von Einheimischen besuchten Lokal haben wir den Flugplan erstellt und eingereicht. Dann folgte für mich eine unruhige Nacht wegen der bevorstehenden Tour.

Mittwoch, 26.08.2026

07:00 Uhr aufstehen. Frühstück: der eine mehr, der andere weniger, oder nur ein Glas Wasser (ich). Um 08:50 Uhr eine kurze Busfahrt zum Flugplatz, Gebühren bezahlen, einchecken, einsteigen und los. 09:38 Uhr von Piste 05 gestartet, zwei Rechtskurven, und schon sind die Alpen zu erahnen – wir fliegen wie freigegeben in 1500 Fuß Höhe. Bis zu den Bergen mit Gipfeln von 6000 Fuß sind es nur 60 Meilen. Die Freigabe zum Steigen erhielten wir 30 Meilen vor den Bergen – ob das wohl reicht? Dazu noch eine lustige Frage des Kontrollers: Wie hoch wollt ihr, und wann seid ihr über dem Brenner? Die Höhe war schnell beantwortet: FL95. Aber wie lange bis zum Brenner? Erst bei der dritten Nachfrage konnten wir das einigermaßen genau beantworten. Am Brenner angekommen, waren wir 3 Minuten zu langsam.

von unten nach ganz oben..

Wir stiegen dann bis Trient auf unsere Flughöhe FL95 und genossen von da an das grandiose Alpenmassiv. Unter uns zogen dann Bozen, Tramin, der Brennerpass, Gries, Steinach, Innsbruck und Garmisch vorbei. Der nächste Wegpunkt war dann Rothenburg o. d. T. und danach Magdeburg. Weil es uns dort oben wegen des günstigen Windes und der fehlenden Thermik gut gefiel, behielten wir die Höhe bis Magdeburg bei und stiegen erst ab dort ab. Neuruppin erreichten wir nach 539 nm und 5 Stunden 07 Minuten Flugzeit um 14:45 Uhr.

Stundenflug in Süd-Nord- Richtung.. Das Internet sieht alles.
Stolz!

Dieser Flug war unser bisher längster, weitester und emotionalster. Bei Walter bedanke ich mich für die gute Zusammenarbeit im Cockpit und für seine Reiseführerkompetenzen. Mal sehen, wohin uns die nächste Reise führt.

The sky is the limit!

Viele Grüße, Walter und Arnd